Gesundheitspolitik

PKV bereitet sich auf umfassende Veränderungen vor

Freitag, 02. Dez 2011, 11:39
Die private Versicherungswirtschaft steht vor tiefgreifenden Umbrüchen. Laut Medienberichten bereiten sich insbesondere große Versicherungsgesellschaften auf den Ausstieg aus der privaten Krankenvollversicherung vor. Kleinere Unternehmen wollen hingegen auch weiterhin an ihrem derzeitigen Geschäftsmodell festhalten.
Große PKV-Anbieter setzen künftig auf die Zusatzversicherung

Große PKV-Anbieter setzen künftig auf die Zusatzversicherung

Laut dem aktuellen MLP-Gesundheitsreport 2011 sind nur 16 Prozent der Deutschen davon überzeugt, dass die heutige medizinische Versorgung aufrechterhalten werden kann, 79 Prozent der Befragten gehen sogar davon aus, dass die Tendenz zur Zwei-Klassen-Medizin noch weiter zunehmen wird. Daher steht auch die private Krankenversicherung unter zunehmendem Handlungsdruck. Nach Angaben der “Financial Times Deutschland” sollen große Gesellschaften wie die Allianz, Munich Re und Generali ihre Zukunft bereits ohne das Modell der Krankenvollversicherung planen. Betroffen von diesem Strategiewechsel wären die Konzerntöchter Allianz Private Krankenversicherung-AG, die DKV und die Central Krankenversicherung. In Zukunft würden sich die Versicherer dann lediglich noch auf den Bereich Krankenzusatzversicherung konzentrieren, heißt es weiter.

Vielfältige Probleme der privaten Krankenversicherung

Die Probleme der Versicherer sind unterschiedlicher Natur. Kontinuierlich steigende Gesundheitsausgaben sorgen für Prämienerhöhungen, welche Privatversicherte nicht selten zum Wechsel des Tarifs oder Anbieters veranlassen. Zusätzlich in der Kritik waren die sogenannten PKV-Billigtarife. Diese stellten sich für viele Versicherer als zu unrentabel und kostenintensiv heraus. Die Central Krankenversicherung hat die Einsteigertarife bereits zum 1. August 2011 eingestellt. Andere Anbieter haben Verbesserungen vorgenommen.

Konzentration auf Krankenzusatzversicherungen

Auftrieb für den Kurswechsel in der PKV gibt vor allem die Tatsache, dass gerade die Krankenzusatzversicherung in diesem Jahr einen regen Zulauf verzeichnen konnte und damit ein weitgehend sicheres Geschäftsfeld darstellt. Schwere Krankheiten würden dann in Zukunft durch die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) übernommen, während beispielsweise Zahnzusatzbehandlungen, das Einzelzimmer im Krankenhaus oder teure Chefarzt-Behandlungen von der privaten Zusatzversicherung übernommen werden. Kleinere Gesellschaften planen allerdings auch weiterhin mit dem Modell der privaten Krankenversicherung als Vollversicherung.

Diskussion um die Zukunft des Gesundheitswesens

Setzen die großen Konzerne ihre Pläne tatsächlich in die Tat um, würde das duale Krankenversicherungssystem in Deutschland weiter unter Druck geraten. Schon lange Zeit diskutieren Gesundheitspolitiker und -ökonomen über Alternativen zum jetzigen Modell. Dabei findet vor allem das Konzept der Bürgerversicherung immer mehr Zuspruch. Demnach würde der gesetzliche Versichertenkreis auch um Selbständige und Beamte erweitert werden. Der privaten Krankenversicherung bliebe dann lediglich noch das Geschäft mit der Krankenzusatzversicherung.

 
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