Abschlussprovisionen für Vermittler

PKV sieht Provisionsdeckelung positiv

Donnerstag, 09. Feb 2012, 10:26
Laut dem Generaldirektor der Barmenia, Josef Beutelmann, steht die PKV-Branche der Einführung der Provisionsdeckelung für Vermittler positiv gegenüber. Grundsätzlich sei die private Krankenversicherung wichtig für das deutsche Gesundheitssystem. Wilfried Jacobs, Vorstandsvorsitzender der AOK Rheinland/Hamburg, stimmt dem zu.
PKV-Vermittlerprovisionen: Keine ungebremste Addition mehr

PKV-Vermittlerprovisionen: Keine ungebremste Addition mehr

In wenigen Monaten wird die gesetzlich regulierte Provisionsobergrenze für die Vermittlung von privaten Krankenversicherungen wirksam. Für einen abgeschlossenen PKV-Vertrag kassieren die Vermittler ab 1. April dieses Jahres dann maximal 9,9 Monatsbeiträge. In der Vergangenheit erhielten sie zum Teil das Doppelte. Die Umdeckungspraxis einiger Makler wurde vielfach kritisiert. Um der Profitgier ein Ende zu bereiten, wurde seitens des Finanzausschusses des Deutschen Bundestages nicht nur die Deckelung der Vermittlerprovisionen beschlossen. Auch die Stornohaftung wird zum vorbenannten Stichtag eine Veränderung erfahren. Zukünftig soll sie fünf statt wie zuvor drei Jahre betragen. Die Reaktionen auf die staatlichen Interventionen fielen sehr unterschiedlich aus. Der Bund der Versicherten (BdV) hält das Ausmaß der Begrenzung für nicht ausreichend. Von dem Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) wurde die Provisionsbegrenzung als absurde Idee bezeichnet. Nach den Ausführungen von Barmenia-Generaldirektor Josef Beutelmann steht die private Krankenversicherung der vorgesehenen Deckelung der Vermittlerprovisionen alles andere als ablehnend gegenüber.  

Branche plädierte für gesetzliche Regulierung

Demnach habe sich die PKV-Branche sogar eine „gesetzgeberische Lösung (…) gewünscht“, so Beutelmann im Rahmen des 7. MCC-Kongresses „Kassen-Gipfel 2012“ in der Bundeshauptstadt Berlin. Der Grund: Da die private Krankenversicherung dem Kartellrecht Rechnung tragen muss, sah sie sich außerstande, eigenständig Maßnahmen gegen den Provisionswettlauf zu ergreifen.

Umstellung tausender PKV-Verträge als Herausforderung

Durch das novellierte Gesetz über die Beaufsichtigung der Versicherungsunternehmen (Versicherungsaufsichtsgesetz - VAG) wurde von staatlicher Seite eingegriffen. Die privaten Krankenversicherungen sehen sich den Ausführungen des Barmenia-Generaldirektors zufolge nun im Angesicht der ungemein großen Herausforderung, ungefähr 260.000 Verträge gemeinsam mit den Maklern an die neuen Regeln anzupassen. Wie Beutelmann bei dem Kongress in Berlin weiter unterstrich, sei er sicher, dass es für die private Krankenversicherung eine Zukunft gebe. Insbesondere der Systemwettbewerb zwischen ihr und der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) zeichne das Gesundheitssystem der Bundesrepublik Deutschland im weltweiten Vergleich aus.

GKV kann von PKV lernen

In diesem Punkt erhielt der Barmenia-Generaldirektor Zustimmung von dem Vorstandsvorsitzenden der AOK Rheinland/Hamburg, Wilfried Jacobs. Auch dieser spricht sich gegen ein einheitliches Krankenversicherungssystem und das Verschwinden der privaten Krankenversicherungen aus. Die GKV könne gar davon lernen, wie sich die private Krankenversicherung ihren Kunden widme. Ziel der gesetzlichen Krankenkassen müsse ein verbesserter Service und die Nähe zu den Versicherten sein, so Jacobs. Prof. Dr. Norbert Klusen, Vorstandsvorsitzender der Techniker Krankenkasse, betonte im Gespräch mit der „WirtschaftsWoche“, er sei der Überzeugung, dass es die private Krankenversicherung auch noch in zwanzig Jahren geben werde. Der Versicherungsumfang, den sie dann biete, sei allerdings nicht klar. Gegenwärtig könne die PKV von Euphorie über hohe Gewinne jedenfalls nicht sprechen, so Klusen.

 
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