PKV-Beiträge
Viele PKV-Versicherte wollen angeblich in die GKV zurück
Mittwoch, 11. Jan 2012, 08:51
Der Streit zwischen PKV und GKV setzt sich fort
Die private Krankenversicherung hat wahrlich schon einmal ruhigere Zeiten erlebt. Zum Einen gibt es von Seiten der Politik noch keine Entscheidung über die Zukunft der PKV zu vermelden. Zum anderen waren die Beitragserhöhungen vieler PKV-Anbieter bzw. entsprechende Ankündigungen weiterer privater Krankenversicherungen zum 1. Januar 2012 ein zentrales Branchenthema im ausklingenden Jahr 2011. Die Central Krankenversicherung gab eine entsprechende Mitteilung bereits im Sommer 2011 heraus. Die deutliche Beitragserhöhung ab Jahresbeginn 2012 wurde sowohl mit dem Ansteigen der Ausgaben auf der Leistungsseite als auch mit der deutlich vergrößerten Anzahl der Nichtzahler gerechtfertigt. Inzwischen gibt es über 140.000 PKV-Versicherte, die ihre Beiträge nicht bezahlen. Die Branche bzw. verschiedene Anbieter diskutieren daher bereits über die Einführung eines PKV-Tarifs für Nichtzahler. Derweil führen die Beitragserhöhungen bei vielen PKV nach Angaben des Magazins Der Spiegel zu vermehrten Abgängen in die GKV.
Medienbericht: Mehr und mehr Abgänge aus PKV
Die Tatsache, dass verschiedene PKV-Anbieter ihre Beiträge teils um einen zweistelligen Prozentsatz zum 1. Januar 2012 anhoben, sei der Grund dafür, warum viele Versicherte regelrecht in die GKV fliehen würden, so der Bericht. Demnach zeichnete sich bereits 2011 ein Zustrom von privat Versicherten zu verschiedenen gesetzlichen Krankenversicherungen ab. Während die Barmer GEK 2011 einen Versichertenzuwachs von neun Prozent gegenüber dem Vorjahr aus der privaten Krankenversicherung verzeichnen konnte, waren es bei der Techniker Krankenkasse sogar nahezu zwölf Prozent. Auch bei der AOK gingen verstärkt Wechselanfragen von PKV-Kunden ein, wie Wilfried Jacobs, Vorstandsvorsitzender der AOK Rheinland/Hamburg konstatiert.
PKV-Verband: Weiterhin mehr Wechsel in die PKV
Der Verband der privaten Krankenversicherung und sein Direktor, Volker Leienbach, bestreiten ausdrücklich, dass die aufgezeigte Entwicklung tatsächlich der Wahrheit entspricht. Nach Leienbach wechseln in jedem Jahr „deutlich mehr Menschen aus der gesetzlichen Krankenversicherung (…) in die private Krankenversicherung als in umgekehrter Richtung. Gegenteilige Behauptungen sind absurd und nachweislich falsch.“ Die Zahlen, auf die sich die Medien beziehen, würden nicht diejenigen GKV-Kunden berücksichtigen, die im gleichen Zeitfenster in die private Krankenversicherung wechseln, so der Direktor des PKV-Verbandes. Den Zahlen einiger gesetzlicher Krankenversicherungen stellt der PKV-Verband folgende gegenüber: Demnach habe es 2010 gegenüber 227.700 Übertritten zur PKV lediglich 153.200 Abgänge zur GKV gegeben. Ein positiver Saldo für die private Krankenversicherung sei bereits seit Jahren festzustellen, dies legten auch die Zwischenberichte für das Jahr 2011 offen, so Leienbach in einer entsprechenden Mitteilung des PKV-Verbandes (PDF).
PKV-Kunden: Bedingungen für GKV-Wechsel
Letztlich müssen die Versicherten entscheiden, wie sie die unterschiedlichen Zahlen interpretieren und daraus ihre Schlussfolgerungen ziehen. Für einen Wechsel von der PKV in die GKV schreibt der Gesetzgeber verschiedene Voraussetzungen vor. Sofern das Einkommen des Versicherungsnehmers für mindestens ein Jahr unter die Versicherungspflichtgrenze von 50.850 Euro pro Jahr fällt oder er arbeitslos wird, gilt die Versicherungspflicht in der GKV. Eine weitere Prämisse ist, dass der Kunde das 55. Lebensjahr noch nicht vollständig durchschritten hat.
Darüber hinaus muss die Kündigung bei dem jeweiligen PKV-Unternehmen stets fristgerecht erfolgen. Für Selbstständige gilt: Nehmen sie eine Anstellung auf, deren Gehalt unter der vorbenannten Versicherungspflichtgrenze liegt, können sie in die GKV wechseln. Nicht wenige Experten raten alternativ zu einem Systemwechsel zu einem PKV-Tarifwechsel. Dieser kann ggf. mit geringeren Kosten verbunden sein als der Wechsel in die gesetzliche Krankenversicherung.
